Cyrillus und Methodius
Namenstage: Cyrill, Methodius
Funktion: Heilige, Mönche, Glaubensboten der Slawen
Gedenktag: 14. Februar
orthodoxe Ostkirchen 11. Mai
Patronat: Europa (seit 1980), Böhmen, Mähren, Bulgarien; alle slawischen Völker (seit 1863); gegen Gewitter
Cyrillus (eigentlich Constantinos, da er erst kurz vor seinem Tod den Namen Cyrillus annahm) und Methodius (Michael) wurden als Söhne eines Hofbeamten 826/827 bzw. vor 820 in Thessaloniki in Griechenland geboren. Ihre Mutter entstammte vermutlich der ortsansässigen slawischen Bevölkerung. Cyrillus studierte zunächst in Konstantinopel (ab 1453 Istanbul), lehrte dort und wurde zum Priester geweiht. Später ernannte ihn Ignatius (847–57), der Patriarch von Konstantinopel, zum Chartophylax (Bibliothekar, Archivar und Sekretär). Methodius diente als Beamter, bevor er Mönch wurde. Beide reisten 860 zu den Chasaren, einem Turkvolk, das sich nördlich des Schwarzen Meeres angesiedelt hatte und teilweise jüdischen Glaubens war, und bekehrten es zum Christentum. In Cherson (nördlich der Mündung des Dnjepr in das Schwarze Meer) entdeckten sie das Grab des Papstes Clemens I. (um 91–101; Heiliger), dessen Gebeine sie mit sich führten und später nach Rom brachten. Anstelle eines Lohnes soll Cyrillus die Freilassung von 200 griechischen Sklaven gefordert und gewährt bekommen haben.
861 bat Rastislav, der von Ludwig II. dem Deutschen eingesetzte Herzog von Mähren, den Heiligen Stuhl, die großmährische von der ostfränkischen Kirche zu trennen. Rom lehnte dies ab, worauf sich Rastislav an den byzantinischen Kaiser Michael III. mit der Bitte um Entsendung slawisch sprechender Priester wandte. Die bewährten Brüder Cyrillus und Methodius gingen 862 nach Mähren, wo sie mehrere Jahre sehr erfolgreich missionierten, wobei ihnen die Kenntnisse des Slawischen sowie die bereits in diese Sprache übersetzten liturgischen Texte sehr zugute kamen. Hier entstand die Vorform der später als »kyrillisch« bekannten Schrift, eine Ableitung aus dem Griechischen.
Auch im böhmischen und pannonischen (ostösterreichischen und westungarischen) Raum verbreiteten die Brüder den Glauben. Als problematisch erwies sich dabei die Konkurrenz zu den ostfränkischen Missionaren, die um ihre Interessen in den neu missionierten Gebieten fürchteten. Da ihr Missionsgebiet in den lateinischen Einflussbereich gehörte, wurden sie zu Papst Nikolaus (858–67) zitiert, um sich wegen der Anwendung der slawischen Sprache im Gottesdienst zu verantworten. 867 reisten Cyrillus und Methodius nach Rom, wo inzwischen Hadrian II. (867–72) zum Papst gesalbt worden war. Man empfing sie freundlich, vielleicht weil sie nach wie vor die Gebeine Clemens I. mit sich führten. Offenbar vertraten sie ihre Sache gut, denn Slawisch wurde als vierte liturgische Sprache (neben hebräisch, lateinisch und griechisch) zugelassen, d. h. nach einer Lesung in Latein durfte im Gottesdienst slawisch gepredigt werden.
Cyrillus erkrankte und starb am 14. Februar 869, nur 42 Jahre alt, in Rom. Man setzte ihn in der Kirche San Clemente bei. Sein Bruder Methodius ging, zum Bischof geweiht, im Frühjahr 870 nach Mähren zurück, wurde aber auf Veranlassung der ostfränkischen Bischöfe (die die Missionierung der Ostgebiete für sich beanspruchten) drei Jahre lang gefangen gesetzt und schwer misshandelt, bevor es Papst Johannes (872–82) gelang, seine Freilassung zu erwirken. Allerdings musste er Teile Pannoniens an die bayerischen Bischöfe abtreten, auch die Zulassung des Altkirchenslawischen im Gottesdienst wurde später widerrufen.
Nach weiteren Reisen nach Rom und in seine byzantinische Heimat starb Methodius hochbetagt am 6. April 885 als Erzbischof von Mähren und Pannonien in Welehrad (Mähren).
Der Erfolg der so genannten Slawenapostel Cyrillus und Methodius beruht zum einen auf ihren Kenntnissen des Slawischen. Muttersprachlich mit einem makedonischen (südslawischen) Dialekt aufgewachsen, übersetzten sie die Bibel und viele religiöse Texte in die »Kunstsprache« Altkirchenslawisch, die erste slawische Schriftsprache überhaupt, und verwendeten sie fortan bei ihrer Missionstätigkeit im östlichen Mitteleuropa. Zumindest dem hochgebildeten Cyrillus sagt man die Beherrschung erstaunlich vieler Sprachen nach, darunter Griechisch, Lateinisch, Hebräisch, Chasarisch, Gotisch sowie den Dialekt und die Schrift der Samariter (durch eine Mission beim Kalifat in Samara, heute in Syrien).
Damit einhergehend zeigten sie zum anderen Respekt vor der slawischen Kultur, wo immer sie sie vorfanden, und erreichten so nicht nur eine große Aufgeschlossenheit der Bevölkerung dem neuen Glauben gegenüber, sondern auch die Unterstützung der örtlichen Herrscher. Die bayerischen (ostfränkischen) Bischöfe und Missionare verfuhren hier ganz anders, was zu den unausweichlichen, oben angeführten Differenzen führte.
Neben der slawischen Bibelübersetzung ist noch die Erfindung der Glagoliza-Schrift hervorzuheben, aus der sich nach dem 10. Jahrhundert die kyrillische Schrift entwickelt hat.
Cyrillus und Methodius werden heute in allen katholischen – aber insbesondere den slawischen – Ländern verehrt. Papst Leo XIII. dehnte 1880 den Kult der Brüder auf die gesamte katholische Kirche aus, und Papst Johannes Paul II. erhob sie am 31. Dezember 1980 zu Mitpatronen Europas.
Darstellung: als Bischöfe
Attribute: Buch oder Schriftrolle, Kelch, Stab, Bild des Jüngsten Gerichts (Methodius)

Quelle: Herder-Verlag

